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Artist Statement: Kadie Schmidt-Hackenberg
Stadtbilder 2011

Da ich sehr oft nach dem Entstehungsprozess meiner Stadtbilder gefragt werde, habe ich mich entschieden ein bißchen was dazu zu schreiben.

Ich erzähle mit meinen Bildern Geschichten über Menschen in Großstädten. Oft sind es Gedankenfetzen oder komplexe Tagträume auf die ich meine Bilder aufbaue. Manchmal ist es auch ein Gefühl wie Einsamkeit oder Euphorie. Es kann ein Klang sein, ein Geruch oder eine Farbe. Das Gelb der Mittagshitze z.B. die sich in den Strassen sammelt und dann immer dichter wird und schließlich auf den Häusern hockt wie ein unförmiges Tier.

Der Ausgangspunkt für meine Arbeit ist jeweils eine Fotografie die ich selber mache. In den Arbeiten von 2011 z.B. habe ich ausschließlich Bildmaterial verwendet, das während meiner Stipendien 2010 in Japan und Italien entstanden ist. Zuerst entscheide ich mich für einen Bildausschnitt den ich interessant finde und bearbeite diese Sequenz digital, dann überlagere ich sie mit gemalten Aquarellstrukturen. Mein Arbeitsprozess beinhaltet also analoge - und digitale Schritte. Wenn auf diese Weise ein spannender urbaner Raum entstanden ist, füge ich die Tuschefiguren dazu. Das fühlt sich für mich ein bisschen so an, als ob ich in meinem Bild tatsächlich lebendige Kreaturen freilassen würde.

Aber ich empfinde nicht nur die Figuren als äußert lebendig und eigenwillig, sondern auch meine Städte. Schon immer habe ich Städte als gigantische Lebewesen betrachtet. Mir erschienen sie launisch und undurchschaubar wie antike Götter. Eigentlich denke ich, dass die Städte es sind, die sich ihre Menschen aussuchen und nicht umgekehrt. Und so interagieren sie auch hier quasi ohne mein Zutun mit den Figuren und das verändert oft die gesamte Bildaussage. Ich weiß zu Beginn nie wohin mich dieser intuitive Prozess führt oder was für Geschichten ein Bild letztendlich enthalten wird. Und das beabsichtige ich auch nicht, denn so ist es jedes Mal ein Abenteuer.

Städte beschäftigen mich schon sehr lange und ich habe das Thema bereits auf sehr unterschiedliche Weise bearbeitet. Es tauchte schon während meines Studiums in meinen Zeichnungen auf und war schließlich das Thema meiner Diplomarbeit. Allerdings habe ich damals eine Modekollektion dazu entwickelt. Natürlich ist es auch meine eigene Identitätssuche, die sich in den Bildern spiegelt, denn das Thema Stadt beinhaltet immer auch das Thema Heimat. Vielleicht stehen meine Figuren deshalb so oft wie Zaungäste am Bildrand? Denn ein Gefühl von Heimat in Bezug auf einen Ort habe nie wirklich besessen, aber immer bitter vermisst.

Kadie Schmidt-Hackenberg, August 2011

 

 
    
 
 
    
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