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Der Katzenjammer des Selbst
 oder: Der Versuch nach Hause zu finden
Die Box-Stories von Kadie Schmidt-Hackenberg


von Gyde Callesen

Der Zyklus der in den Jahren 2007-2008 entstandenen Boxobjekte spielt augenzwinkernd und verstörend zugleich
mit der Diskrepanzvon Erwartung und Erfüllung und experimentiert dabei mit der Begegnung unterschiedlicher
künstlerischer Disziplinen.
Es war im Traum, als der Künstlerin Kadie Schmidt-Hackenberg ihre Figuren, die Bewohner der Boxobjekte,
begegneten.Durch das Beziehen ihrer Boxen wurde die Zweidimensionalität der gezeichneten Figuren in die dritte
Dimensiondes Raumes überführt. Mitdem Hinzufügen des erzählerischen Moments durch das Anbringen von Worten
auf den Boxen, als sprachlicher Ausdruck der Gefühle und Gedanken der Boxbewohner, gelingt der Künstlerin, die
Zeichnungsogar in die vierte Dimension der Sprache zu übersetzen. Sie stellt mit irritierender Leichtigkeit und
traurigem Humor die uns als Menschen innewohnenden Sehnsüchte und Selbstkonzepte dar und in Frage.

„Das Leben in der eigenen Rundbox war ganz anders als erwartet“, heißt es auf einer der Boxen, die den
Betrachtermit dem immer wieder zu erfahrenden Widerspruch zwischen Vorstellung und Wirklichkeit konfrontiert.
Mit dieser allzu menschlichen Eigenschaft, sich stets erneut ein Konzept von der Wirklichkeit zu machen und immer
wieder erfahren zumüssen, dass Wunsch bzw. Vorstellung dem tatsächlichen Erleben widersprechen, spielt Kadie
Schmidt-Hackenberg auf virtuose, hintergründige Weise. Die Figuren der Boxobjekte erproben Identitäten, probieren
Rollen, manchmal finden sie sich vielleicht, oft verlieren sie sich. Somit sind es traurige und heitere Geschichten
von der nicht selten vergeblichen Suche nach dem Ankommen, nach einem Sich-Erkennen, nach Zuhause.

Die Boxen sind in diesem Zusammenhang viel mehr als Hintergrund und formgebende Elemente. Sie sind jenes so
innigst ersehnteZuhause für die Figuren, zumindest vorübergehend. Und als dritte Dimension vermitteln sie die
Übersetzungder Zeichnung in Sprache. Worte brauchen den Raum, um gesagt und gehört zu werden. Die Boxen
schenken den Figuren Standpunkte, sie sind die Chance zur Erprobung des Selbst auf einer Lebensbühne.

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