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„Stadtbild“
Galerie en passant, Berlin 2010

In dem 2008 begonnenen Werkzyklus „Stadtbild“ beschäftigt sich die in Hannover lebende Künstlerin nicht mit Ansichten konkreter Metropolen wie etwa New York oder Berlin, sondern mit dem Archetypus Stadt. Ein Thema, dem Kadie Schmidt-Hackenberg bereits
seit über zehn Jahren nachspürt und immer wieder neue Impulse abgewinnt.
"Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Großstädten, sie erfüllen mich gleichzeitig mit Hoffnung und Frustration. Vielleicht weil ich
das Gefühl von Heimatlosigkeit und Unruhe noch nirgends abschütteln konnte.“ Dieses ambivalente Verhältnis zu urbanen
Lebensräumen kommt auch in den Arbeiten der Künstlerin zum Ausdruck.

Die Geschichte der Moderne ist eng mit der städtischen Kultur verbunden. Entscheidende künstlerische Innovationen fanden in
Metropolen wie Paris, Berlin oder New York statt. Auch die Wahrnehmung von Großstadt war und ist bedeutend für die Entstehung
von künstlerischen Strömungen und die Arbeit von Künstlern. Übergreifend für die bildenden Künste und ihre Nachbardisziplinen
war der urbane Raum ein wichtiger Bezugspunkt und fand Eingang in theoretische Reflexionen. Die Großstadt bildete sich nicht nur
figürlich in Werken ab, sondern auch Geschwindigkeit, Verkehr, Bebauung inspirierten zu neuen künstlerischen Ausdrucksweisen.
Das Phänomen Großstadt fungierte als Motor für die Künste der Moderne (Expressionismus, Futurismus, Neue Sachlichkeit etc.)
und ist bis heute Gegenstand vielfältiger künstlerischer Auseinandersetzungen vor allem im Zusammenhang mit der voran-
schreitenden globalen Verstädterung.

Vor diesem Hintergrund wird das eigenwillige, frische und karikaturhafte von Kadie Schmidt-Hackenbergs Stadtbildern deutlich.
Ihre Collagen atmen eine große Leichtigkeit und sind ganz dem Gefühl oder der Stimmung in einem flüchtigen Augenblick
verschrieben. Die Figuren sind keine Porträts sonder eher Typen von Großstadtbewohnern. Da werden Gesichter auf übergroße
Augen und Nase reduziert oder Körper zu einer reinen, wie schwerelos wirkenden Konturlinie transformiert. Die Menschen stehen
zumeist als stille Beobachter einem dichten architektonischen Konglomerat von Stadt gegenüber, werden davon angesogen oder abgestoßen. Die Stadtfragmente wirken beengt, so als gebe es keine Straßen und Plätze zwischen den Häuseransammlungen, die
sich dramatisch zu schichten und aufzutürmen scheinen, mitunter aber auch als reine Luftschlösser erweisen können.

 

 
    
 
     
     
    
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