Die Stadtbilder

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren künstlerisch mit dem Thema Stadt. Ich nehme Städte als riesengroße beseelte Organismen wahr, die eigene Pläne verfolgen wechselseitige Beziehungen mit ihren 

Bewohnern eingehen. Ich hege sogar den Verdacht, dass Städte sich manchmal heftig in

einzelne Menschen verlieben. Hin und wieder geschieht wohl auch genau das Gegenteil. 

 

Meine Stadtbilder sind erzählerische Arbeiten, denen solche Ideen von Anziehung und Verschmelzung aber auch urbaner Einsamkeit oder Abstoßung zugrunde liegen.

Die Stadtbilder, Text von Manuela Lintl, Berlin

 

In dem 2008 begonnenen Werkzyklus „Stadtbilder“ beschäftigt sich die in Hannover lebende Künstlerin nicht mit Ansichten konkreter Metropolen wie etwa New York oder Berlin, sondern mit dem Archetypus Stadt. Ein Thema, dem Kadie Schmidt-Hackenberg bereits seit ihrer Abschlussarbeit 1998 nachspürt und immer wieder neue Impulse abgewinnt. "Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Großstädten, sie erfüllen mich gleichzeitig mit Hoffnung und Frustration. Vielleicht weil ich das Gefühl von Heimatlosigkeit noch nirgends abschütteln konnte.“ Dieses ambivalente Verhältnis zu urbanen Lebensräumen kommt auch in den Arbeiten der Künstlerin zum Ausdruck. 

Die Geschichte der Moderne ist eng mit der städtischen Kultur verbunden. Entscheidende künstlerische Innovationen fanden in Metropolen wie Paris, Berlin oder New York statt. Auch die Wahrnehmung von Großstadt war und ist bedeutend für die Entstehung von künstlerischen Strömungen und die Arbeit von Künstlern. Übergreifend für die bildenden Künste und ihre Nachbardisziplinen war der urbane Raum ein wichtiger Bezugspunkt und fand Eingang in theoretische Reflexionen. Die Großstadt bildete sich nicht nur figürlich in Werken ab, sondern auch Geschwindigkeit, Verkehr, Bebauung inspirierten zu neuen künstlerischen Ausdrucksweisen.Das Phänomen Großstadt fungierte als Motor für die Künste der Moderne (Expressionismus, Futurismus, Neue Sachlichkeit etc.) und ist bis heute Gegenstand vielfältiger künstlerischer Auseinandersetzungen vor allem im Zusammenhang mit der voranschreitenden globalen Verstädterung.

Vor diesem Hintergrund wird das eigenwillige, frische und karikaturhafte von Kadie Schmidt-Hackenbergs Stadtbildern deutlich. Ihre Collagen atmen eine große Leichtigkeit und sind ganz dem Gefühl oder der Stimmung in einem flüchtigen Augenblick verschrieben. Die Figuren sind keine Porträts sonder eher Typen von Großstadtbewohnern. Da werden Gesichter auf übergroße Augen und Nase reduziert oder Körper zu einer reinen, wie schwerelos wirkenden Konturlinie transformiert. Die Menschen stehen zumeist als stille Beobachter einem dichten architektonischen Konglomerat von Stadt gegenüber, werden davon angesogen oder abgestoßen. Die Stadtfragmente wirken beengt, so als gebe es keine Straßen und Plätze zwischen den Häuseransammlungen, die sich dramatisch zu schichten und aufzutürmen scheinen, mitunter aber auch als reine Luftschlösser erweisen können